Continuum Designed Obsolescence

Kritik: Continuum machen auf „Designed Obsolescence“ keine Gefangenen

Fragt ihr euch nicht auch manchmal, was euer Gegenüber in Bus/Bahn gerade für Musik hört? Ob es wohl das neue Meisterwerk von Künstlern wie Lil’ Peep oder eine hauchzarte Ballade von Lyrikern wie Haftbefehl ist? Ob er sich gerade das Hirn vom fulminanten Geballer einer Scheibe von Obscura zermartern lässt? Falls ihr euch von letzteren der genannten Acts angesprochen fühlt, habe ich was für euch: Die neue Scheibe “Designed Obsolescence” aus der Schmiede der kalifornischen Tech-Death-Formation Continuum.

Ihr kennt die Band nicht? Nicht schlimm! Eigenen Angaben zufolge gab es einige Shows mit Bands wie Fallujah, Obscura, Pathology, Abigail Williams, Decrepit Birth und und und… kommen sie mit ihrem Werk an die obigen Koriphäen ran? Schauen wir mal rein.

Starten wir direkt mit einem frischen Eindruck für euch, dem ersten Track “Theorem”. Kein langes Intro, kein “Doom”-Feeling wie oft bei Fallujah gesehen, aber dafür brachiale Technik-Action. Wer hier ein Vorspiel sucht, ist falsch. Die Band fällt nicht nur mit der Tür ins Haus, sie überfahren uns quasi mit einem Panzer in unserem eigenen Wohnzimmer. Ist das etwas, was mich stört? Absolut nicht. Gerade das absolut abwechslungsreiche Drummen des Ex-Rings of Saturn-Drummers Ron Casey beeindruckt mich absolut und verleiht den Songs virtuose “Feeling”-Wechsel, die nicht aufgesetzt wirken. Noch mehr? Bekommt ihr!

Auch der zweite Song “Release from Flesh and Blood” hämmert mir direkt in die Trommelfell, sogar sehr wörtlich. Blastbeat um Blastbeat wird hier mit hämmernden Double-Bass Parts verbunden, die von Gitarrenriffs immer wieder umschmiegt werden. Hier mal ein normaler Blastbeat, da ein Hammerblast, hier ein Hyperblast… hier ist ein Meister am Werk. “Aber Julian, Technical Death Metal ist doch nicht nur das Schlagzeug!” höre ich schon von Weitem schreien. Völlig zu Recht. Sänger Riley McShane, der Connoisseuren des gepflegten Geknüppels ein Name sein dürfte, zeigt sich hier, wie auch in den Allegaeon-Scheiben, von seiner besten Seite. Tiefstes Gegrowle, das aber auch immer wieder Platz für den Rest der Band lässt und absolut nichts “übertönt”. Wenn ich mal dreist sein darf, ist sie hier passender als in seiner “typischen” Band.

Da der dritte Song, “A History Denied”, auch eine Video-Verewigung auf YouTube erhalten hat, skippe ich mal ein wenig und gehe auf Besonderheiten und Überraschungen des Albums ein.

Der Titeltrack “Designed Obsolesence” geht zum Beispiel fast schon in eine “Shadow of Intent”-eske, epische Richtung und baut deutlich mehr Groove-Elemente ein. Ebenfalls benutzt werden Bausteine aus dem “Black”-Bereich, was der düsteren Stimmung keinen Abbruch tut und deutlich mehr Vielfalt in das manchmal doch dröge Tagesgeschäft einer Tech-Death-Metal-Band bringt.

Auch Track Nummer sechs, “Autonomic”, bedient sich in Teilen dieser Struktur, auch wenn, zur Abwechslung, mal deutlich langsamer. Gerade hier hat der geneigte Hörer mal eine Verschnaufspause im doch sehr anspruchsvollen und vollgepackten Album. Platz für Gitarrensoli? Genau! Es ist zwar nur kurz, aber hier hört man doch den Fallujah-Einfluss sehr raus.

Mit “Repeating Actions” schließt das kurz-knackige, neun Songs lange Album ab. Outro? Danksagungen? Nee Kinners, gibt es hier absolut nicht. Die Band um Chase Fraser hört auf, wie sie angefangen hat. Und zwar mit Karacho. Vaseline wird hier zwar benötigt, aber nicht mitgeliefert.

Fazit:

“Violent, incredibly technical and endlessly engaging”, das war die Beschreibung des Albums, als ich es bekommen habe. Kann ich das unterschreiben? Absolut! Was aber des Einen Zuckerbrot ist, ist des Anderen Peitsche; kurz gesagt: Kein Album für Jedermann! Die mitunter sehr fordernde Songstruktur, das konstante Gehämmer und die brachiale Vocal-Action sorgen nach einem Durchhören dann doch für eine leichte Sehnsucht nach Ruhe, also bitte nicht als musikalische Untermalung für einen schönen Lesungsabend mit den Kindern zuhause nutzen!

Wertung: 8/10

Band: Continuum
Album: Designed Obsolescence
Veröffentlichung: 22.02.2019

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