Bring Me The Horizon Amo BMTH

Kritik: Bring Me The Horizon treiben uns mit „amo“ in den Wahnsinn

Hallo Freunde, der Ring ist eröffnet! Während ihr euch alle noch von „mother tongue“ aus dem neuen Bring Me Horizon-Album erholt, werfen wir euch nun unsere Eindrücke zu „amo“ um die Ohren. Nach dem ersten Reinhören war uns klar, dass wir dieses Album nicht mit einer Einzelreview stehen lassen können. So dürft ihr euch in der folgenden Kritik über gleich zwei Meinungen aus dem MoreCore-Team freuen, nämlich von unser beider Sascha und Jonas. Zwei Hörer, die mit Sicherheit die neue Platte der Jungs aus UK mit verschiedenen Ohren hören und wahrnehmen. Man darf also gespannt sein! Nehmt euch etwas Zeit, los geht’s…

Bring Me The Horizon BMTH

Kritik von Jonas Happel:

Vier veröffentlichte Songs und fünf Monate nach der ersten Auskopplung „MANTRA“ sind wir alle bereits etwas schlauer und können durchweg sagen: „amo“ wird nicht nur anders als sein Vorgänger, sondern anders als alle Releases, die die Band um Fronter Oli Sykes bisher hinter sich gebracht hat. Warum das so ist und warum die bisherigen Songs bei weitem nicht die musikalische Bandbreite von Bring Me The Horizon (BMTH) in 2019 widerspiegeln, erfahrt ihr in den kommenden Zeilen.

BTMH betreten neue Wege!

Lasst mich eines zu Beginn loswerden: Wer „That’s The Spirit“ gewöhnungsbedürftig fand und das alte BMTH suchte, wird bei „amo“ erneut auf eine harte Probe gestellt. Die Jungs aus UK ballern auf ihrer neuen Platte nur so mit musikalischer Vielfalt um sich, das es einem schon fast schwindelig werden mag. Bereits nach dem Intro ist klar: Diese Scheibe wird nicht die Lager spalten, sie wird neue Lager generieren und ordentlich Zündstoff in die ach so „tolerante“ Core-Szene werfen. Unser Jakob hat mal in Bezug auf Rezensionen gesagt: „Man muss Songs auch immer danach beurteilen, was sie erreichen wollen.“ Danke für diese Aussage, denn genau mit diesem Gedanken im Hinterkopf solltet ihr „amo“ hören. Und: Schaltet immer mal wieder euren Kopf aus und versucht zu vergessen, dass ihr gerade BMTH hört, das wird euch helfen… versprochen!

„i apologise if you feel something“ macht direkt zu Beginn klar, dass „amo“ sich soundtechnisch auf ganz anderen Wegen befindet, als es die Alben der Briten vorher getan haben. Am Ende sind 2:19 Minuten vergangen und man wurde mit ordentlich Elektronik auf das kommende „MANTRA“ vorbereitet. Für mich klug gemacht, denn mit diesem Intro ist nicht nur sofort völlige Verwirrung gestiftet, schließlich ist man solche Sounds der Band nicht gewohnt, sondern der Appetizer sorgt dafür, dass der Folgesong in seiner Fläche richtig druckvoll daherkommt. „MANTRA“ bleibt stehen als ein Song, der viele (neue) Stärken der Band zu vereinen weiß. Saftiger Gitarrensound, elektronische Spielereien und dazu ein Mitsingrefrain, der ordentlich ins Ohr geht. Ruht euch aber ja nicht auf dem Song aus, denn „nihilist blues“ kommt nicht nur mit noch mehr Effekten auf Olis Stimme daher, sondern klingt mit noch mehr Elektrospielereien wie ein Dance-Song aus den 90ern. Den Song kann man wirklich auch auf jeden „Clubfete-Sampler“ packen. Drum ’n‘ Bass-Parts, sphärische Gesangsmelodien einer weiblichen Stimme sowie Oli, dazu Dance- und House-Sounds, das sitzt. Dennoch ist das Ganze interessant arrangiert, nur eben unfassbar ungewohnt für einen BMTH-Song. „in the dark“ stellt anschließend einen eher ruhigen Rock-Pop-Song dar, der aber mit einem gut in den Mix eingearbeiteten Gitarrensound punkten kann. Ausreichende Rockattitude trifft auf sanfte Pop-Sounds und eine dazu passende Hook. Ein Song, der gut ins Ohr geht und mich an Songs der letzten Linkin Park-Platte erinnert.

Mit „wonderful life“ und „sugar honey ice & tea“ wird dann wieder die rockigere Schiene eingeschlagen, auch wenn letzteres immer wieder ruhigere Momente für sich beansprucht. Am Ende bleiben drückende Gitarren, die aber gerade bei „sugar honey ice & tea“ immer wieder mit ordentlich Elektronik durchmixt werden, seien es Sounds oder Stimmen. Zwischen den beiden Songs dürfen „ouch“ und das bereits bekannte „medicine“ Platz nehmen. Ersteres darf wieder hart in die Drum ’n‘ Bass-Schublade greifen und wird mit Sicherheit auf so einigen DJ-Sets Freunde finden. Ich muss auf jeden Fall echt oft an Ellie Goulding denken. „medicine“ bleibt für mich auch nach mehrfachem Anhören der Radiosong der Platte. Auch wenn einige den Track als typischen Weichspülersong abstempeln, hat er dann doch mehr zu bieten. „why you gotta kick me when i’m down?“ präsentiert sich anschließend wieder ganz neu und erinnert mich doch glatt in den Strophen an aktuellen Deutschrap, der momentan so durch die Lande zieht, sei es Capital Bra, Mero oder RAF Camora. Im Refrain gibt es dann aber wieder ordentlich Drum ’n‘ Bass auf die Mütze und meine Verbindung im Kopf zu den aktuellen „Chartbestimmern“ hierzulande ist gekappt.

„fresh bruises“ darf dann als Interlude auf dem Album Platz nehmen und soll hier nicht weiter großartig beachtet werden, denn das folgende „mother tongue“ ist wohl der Popsong der Platte, der mich sofort an Owl City erinnert. Und mal ehrlich, die sind doch wirklich cool! Dazu eine Prise „Chainsmokers“ und die Mische ist perfekt. Natürlich wieder kein BMTH-Stil wie wir ihn von früher kennen, aber dann doch ein ganz cooler Song. „heavy metal“ darf dann was mehr nach vorne gehen und besticht gerade im Refrain mit ordentlich Indie-Rock-Vibe. Bei dem Song stell ich mir so einige von euch auf der Tanze vor! Rapparts im Feature runden das Teil dann auch noch ab. Ihr seht schon, auf der Platte wird kaum ein Stilelement ausgelassen. Mit „i don’t know what to say“ endet „amo“ und setzt mit Streichern und Akustikgitarre nochmal ein balladenhaftes Ausrufezeichen. Ein passender Abschluss, wie ich finde!

Fazit:

Bring Me The Horizon setzen mit „amo“ alles auf eine Karte. Die neue Platte der Briten besticht durch unfassbar viele Stilmittel, die mit moderner Rockmusik kombiniert werden. Dance-Sounds, Drum ’n‘ Bass, House, Elektro, Indie,Rap… ich brauche gar nicht weiter aufzählen. Müsste man die musikalische Bandbreite benoten, hätte die Platte eine 10/10 verdient. Ich habe noch nie ein Album gehört, das so viele Stilelemente verbindet. Die Jungs aus UK scheißen auf ihrer neuen Platte auf den „einen Sound“ und erschaffen eine für mich eine völlig untypische Albenkonstruktion, denn ein roter Faden oder jedwede Struktur ist kaum erkennbar. Am Ende fehlt aber dann doch die besser genutzte und eingängigere Hook und die für das Ohr notwendige Grundstruktur. Für Musikliebhaber, die mal genauer hinhören, birgt die Platte aber unfassbares Potential. Und ich wette: Während sich viele Fans nun von der Band abwenden, lecken sich zig andere neue Hörer die Finger.

Jonas‘ Wertung: 8/10

Kritik von Sascha Grethmann:

Hallo. Habt ihr ein paar Minuten Zeit? Ich möchte mit euch über „amo“ reden. Also nicht über „Liebe“ an sich sondern über das neue Album von Bring Me The Horizon. Es gibt viel zu erzählen und deswegen fange ich auch besser direkt an, denn mit einer Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten über 13 Tracks ist es auch gar nicht mal so kurz. Der erste Song der Platte nennt sich „i apologise if you feel something“ und ist eigentlich mehr ein verlängertes Intro. Zumindest wirkt er so auf mich, da er bis auf ein paar sphärische Instrumentals und mit Effekten überladene Vocals nicht viel an Inhalt zu bieten hat. Dann kommt ein direkter Übergang zu dem bereits veröffentlichten Song „Mantra“, dessen fetter Gitarrensound sofort einen Riff in mein Hirn brennt. Der Song macht mit seinem Mitsingrefrain und coolen Gitarrenriffs Hoffnung auf ein fetziges Rock-Album. Doch dann kommt „nihilist blues“ und all meine Hoffnungen werden sofort mit einem Spaten erschlagen und vergraben. Der Sound klingt so, als würden die Jungs aus England versuchen in elektronischen Großraumdiskotheken anzukommen. Von Synthesizer über gepitchte Vocal-Samples bis hin zum Bassdrop, ist hier alles dabei, was dem typischen Nature One- oder Tomorrowlandgänger gefällt. Woah – das war ein Schock.

Verzetteln sich BTMH mit ihrem neuen Sound?

Aber „in the dark“ startet wieder mit weiblichen Vocal-Samples. Kurz bevor mein Kopf auf der Tischplatte landet, starten Gitarre und die richtigen Vocals. Ich kann nicht genau sagen weshalb, aber der Song gefällt mir ganz gut. Irgendwie geht die leichte Gitarre mit dem chilligen Drumbeat gut ins Ohr. Auch die Gesangsmelodie bleibt im Kopf. Ein schöner Song, um entspannt bei einem regnerischen Tag auf der Couch zu liegen. „wonderful life“ ist ebenfalls vorher veröffentlicht worden und zählt zu einem meiner Highlights. Der letzte Rest „härte“ ist in diesem Song versteckt. Wieder wird ein wenig Hoffnung geweckt. Wir haben wieder fetten Gitarrensound und einen Refrain, der sich ins Hirn brennt und den man wundervoll mitsingen kann. Das war es dann aber auch schon. Der Ansatz des „Breakdowns“ kommt dabei aber dann doch ganz gut rüber.

„Ouch“ ist ein kurzes musikalisches Zwischenspiel, welches direkt in „medicine“ übergeht. Ich denke, dass man „medicine“ als typisches Radio-Lied bezeichnen könnte. Sehr leichte Instrumentalisierung mit ebenso leichtem Gesang und einem catchy Refrain. Der Intro-Riff von „sugar honey ice & tea“ erinnert an eine Mischung aus „MANTRA“ und „wonderful life“. Also träge Instrumentals mit blabbernden Vocals und neben weiteren weiblichen Vocal-Samples im Refrain gibt es dieses Mal sogar ein kleines Gitarrensolo. „why you gotta kick me when i’m down?“ startet mit einem Trap-Beat und ich fühle mich als würde gleich irgendein Soundcloud-Rapper anfangen rumzunuscheln und „fresh bruises“ ist mal wieder ein reines Instrumental-Stück.

„mother tongue“ klingt im ersten Moment nach einer Ballade (ja, ohne Witz) und wurde vorhin als Single ausgekoppelt. Es ist ein sehr schön aufbereitetes Lied mit richtiger Live-Stimmung. Hier kann ich mir tatsächlich gut vorstellen, dass die Menschenmassen bei einem Konzert zu Tränen gerührt mitsingen. Als nächstes ist „heavy metal“ angesagt. Also so heisst der Song, mein ich. Denn mit Metal hat der Song abgesehen von einem coolen Gitarrenriff nichts am Hut. In der Strophe gibt es neben einem, von mir nicht zu identifizierenden Feature-Gast auch noch Instrumentals, die nach Beatboxing klingen. Immerhin gibt es dann ganz zum Schluss doch noch einen Scream. Als letztes wird es nochmal richtig pompös. Mit Streichern und eine Akustikgitarre wirkt „i don’t know what to say“ ziemlich episch, aber doch irgendwie fehl am Platz.

Fazit:

Wer schon einmal eine Rezension von mir gelesen hat weiß, dass ich auf „freshe“ Sounds stehe, die sich aus dem Einheitsbrei hervorheben. Wenn sich Bands neu ausprobieren ist das in meinen Augen immer was Gutes. Aber was ist „amo“? Ist es ein gutes Album, was ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann? Nein. Auf gar keinen Fall! Ist es eine komplette Katastrophe? Ebenfalls nein. „amo“ hat neben seinen sehr gewagten Sounds auch ein paar richtige Highlights dabei. Ich glaube, dass Bring Me The Horizon mit „amo“ selbst nicht ganz wussten, wo sie hinwollen. Kein roter Faden durch Text und Instrumentals, obwohl die Möglichkeit durchaus dagewesen wäre. Auf mich wirkt das ganze Album irgendwie so, als hätte man einfach willkürlich Songs geschrieben und diese hintereinander auf eine CD gepresst. Jedenfalls werden die fünf Jungs aus Sheffield eine ganz neue Welle von Fans akquirieren und eine Menge alteingesessene Fans verlieren. Wenn euch das letzte Album „That’s The Spirit“ schon nicht gefallen hat, dann wird es „amo“ höchstwahrscheinlich auch nicht tun. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass es ebenfalls nicht mehr meine Musik ist, aber ich den Jungs den Erfolg gönne.

Saschas Wertung: 5/10

Band:Bring Me The Horizon
Album: amo
Veröffentlichung: 25.01.2019

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