Breathe Atlantis

Kritik: Breathe Atlantis entwickeln sich auf „Soulmade“ konsequent weiter

Im September 2016 haben wir euch die Jungs von Breathe Atlantis als eine der Newcomer-Truppen des Jahres vorgestellt. Fast zweieinhalb Jahre später sind die Musiker um Fronter Nico Schiesewitz nun endlich mit neuer Musik zurück. Zu ihren Stärken zählten schon immer eingängige Hooks, vom R’n’B inspirierte Vocallines und dazu eine ordentliche Portion Alternative-Rock. Gute Voraussetzungen also, um bei vielen Hörern zu punkten. Ob die Truppe aus Essen auch mit ihrer neuen Platte „Soulmade“ überzeugen kann, lest ihr in den folgenden Zeilen. Viel Spaß!

Breathe Atlantis

Credit: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Ich muss zugeben, dass ich den Vorgänger „Futurestories“ im September 2016 schon gut gefeiert habe (hier geht es zur Albumkritik), bedient die Band durch ihren oben angesprochenen Mix dann doch eine interessante Kombination. 8/10 Punkte war mir die Platte damals wert, da muss „Soulmade“ erst einmal herankommen. Aber: Step by step!

„Soulmade“ startet mit der bereits erschienenen Single „My Supernova“ und präsentiert sich direkt im unverkennbaren Breathe Atlantis-Stil. Ordentlich R’n’B-Vibe in den Strophen, dazu sanfte elektronische Spielereien und eine feine Rock-Attitude im Refrain, welcher dann auch noch gut ins Ohr geht. Dazu die Strophen ruhig gehalten, damit Sänger Nico im Refrain ordentlich ausbrechen kann. An dem Song ist wahrlich nichts zu meckern, Ende!

Auch der Folgesong „Cold“ wurde bereits released und ist eine der Balladen auf der Platte. Gelungener Radiosong, der vom Sound auch irgendwann mal in größere Hallen passt. Gerade Nico zeigt hier direkt mal seine gesangliche Range auf, indem er mit tieferen Parts in den Strophen und hohen in den Refrains brilliert. Dazu ein feines Gitarrensolo und der Song ist perfekt!

„Don’t Need You Know“ erinnert mich zu Beginn dann direkt an „Drift And Die“ von Puddle Of Mudd, bevor wieder sphärische und flächige Gitarren im Alazka-Stil den Sound bestimmen. „Für uns zählte dieses Mal besonders eine Sache: Emotionen!“, so die Band zur Arbeit am Album. Gerade bei diesem Song passt diese Aussage wie die Faust aufs Auge, denn Gesang und Songwriting spiegeln ebendiese Aussage perfekt wieder.

Das anschließende „Fall“ erinnert mich sofort an so einige Imminence-Songs des letzten Albums „This Is Goodbye“, aber gut, immerhin waren die Bands im vergangenen Jahr auf Tour und man hat sich während des Songwritings anscheinend schon mal vorab inspirieren lassen. Am Ende aber trotz alledem ein gelungener Song von Breathe Atlantis, der vor allem mit seinen Chor-Gesängen zum Mitsingen einlädt, auch wenn dies nicht unfassbar innovativ ist. „Spirit“ kommt anschließend mit ganz coolen Gesangsparts in den Strophen daher, der Refrain kann hingegen aber kaum Eindruck schinden. Immerhin finden sich dort Keyboard-Sounds wieder, die mich glatt an Him erinnern. Dazu dann noch ein Gitarrensolo und das ultimative 2000er Rock-Feeling ist wieder da. Auch wenn der Song am Ende etwas „flach“ wirkt, er wirkt.

Die harten Zeiten sind vorbei!

Das folgende „I Think It Isn’t Far“ stellt dann die zweite richtige Ballade des Albums dar. Sänger Nico klingt hier zeitweise immer wieder nach Clean-Sänger Kassim von Alazka, aber diesen Vergleich wird er sich auch immer wieder anhören müssen. Der Refrain geht dann aber wieder in eine andere, poppigere Richtung und lässt mich zufrieden zurück. Wer übrigens noch eine ordentliche Spur Härte bei den Jungs erwartet hat, dem muss ich seine Hoffnungen zum Großteil nehmen. Diese Zeiten sind dann doch eher vorbei!

Auch wenn das kommende „Soulmade“ und „Savage“ nochmal einen entsprechenden Akzent setzen können, vor allem letzteres geht nochmal gut nach vorne, Core-Elemente findet man auf der neuen Scheibe der Band aber nur noch selten. Mit „At Night“ und „Addiction To The Worst“ geht es schließlich weiter. Ersteres kann mich nicht wirklich abholen, vor allem weil es eher dahinplätschert, anstatt prägende Akzente zu setzen. Zweiteres hingegen geht dann zumindest in den Strophen richtig gut ins Ohr, während der Refrain mir zu wenig ausdrucksstark daherkommt. Hier ist dann aber auch wieder ein klarer Alazka– und Imminence-Sound erkennbar. An sich aber nicht schlimm, denn die Kombination ist grundlegend nicht verkehrt.

Meine Hoffnung, noch einen starken Abschluss der Platte serviert zu bekommen, liegen dann an „Everyone Else“. Und zum Glück, der Song holt mich dann endlich wieder richtig ab. Super Gefühl in den Strophen und im Refrain ein einprägende Melodie, die wirklich perfekt zum Mitsingen einlädt. Vor allem die Gitarrensounds gefallen mir hier besonders, an wen mich diese erinnern verrate ich aber jetzt nicht, sonst habe ich den Vergleich einfach zu häufig in diese Kritik eingebracht (zwischen den Zeilen lesen ist erlaubt).

Fazit:

Ich muss gestehen, dass ich das Album zu Beginn unterschätzt habe und mich der neue, homogenere Grundsound der Platte dazu verleitet hat, die kleinen wichtigen Spielereien im Songwriting zu überhören. „Soulmade“ ist, anders als sein Vorgänger, ein Album, welches nicht wirklich viel experimentiert, fordert oder überrascht, sondern eine Grundrange an Sound- und Songstrukturen besitzt und somit schnell „einfach mal so durchläuft“. Nehmt euch Zeit für die Platte, denn mit mehrfachem Hören kann sie dann doch noch einen Großteil ihres Potentials ausschöpfen. Am Ende gilt aber: Ich hätte mir einen Tick mehr Innovation und mehr Ausbrüche im Sound und Songwriting gewünscht, die der Platte mehr Kanten und Ecken gegeben hätten. Dennoch sind einige gute Hooks und Parts dabei sowie eine musikalische Weiterentwicklung erkennbar. Und das sollte man Breathe Atlantis auch hoch anrechnen!

Wertung: 7/10

Band: Breathe Atlantis
Album: Soulmade
Veröffentlichung: 25.01.2019

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