Herod Sombre Dessein

Kritik: Herod beweisen auf „Sombre Dessein“ wahre Liebe zum Detail

Herod sind ein noch viel zu unbekannter Name in der europäischen Metalszene. Das wird vor allem dann klar, wenn man sich die Musik des neuen Albums „Sombre Dessein“ anhört und allen Grund dafür sieht, dass sich diese Tatsache ändert. Denn „Sombre Dessein“ wird für Fans der folgenden Bands empfohlen: Scarlet, Breach, Yob, Meshuggah, Gojira & Textures; und spricht allein deswegen für eine großartige musikalische Erfahrung, die man als Fan düsterer und harter Musik mit rhythmisch-komplexen Passagen nicht verpassen sollte.

So wie sich diese grobe Beschreibung liest, fängt das Album auch an. Nach einem kurzen Intro, das lediglich die Atmosphäre aufbaut und in Schwung bringt, hauen Herod hörbar düster auf den Putz. Es ist ein Gefühl der Bedrängnis, des Unmuts, das sich bei „Fork Tongue“ in mir ausbreitet und irgendwo zwischen leicht sludge-angehauchten Post Metal Riffs und dissonanten Harmonien bewegt. Dabei ist insbesondere der Pathos sehr lebendig und macht „Fork Tongue“ zu einer nahezu seelisch quälenden Hörerfahrung, die durch versetzte Taktungen wirklich schwer verdauliche Kost ist, aber auf mesmerisierende Art und Weise so sehr in den Bann zieht, wie der Fluch einer Hexe.

Es ist dieser hypnotisierende Aspekt, der wohl den Querverweis auf Meshuggah unterstreicht. Dieser Aspekt ist insbesondere beim Anfang von „Silent Truth“ sehr schön zu hören. Mit ähnlicher Präzision und rhythmischen Verkettungen arbeiten Herod, denen es aber gelingt, dass diese Elemente nicht in ewiger Repetition und Monotonalität stagnieren, sondern sich in Post Metal-dramaturgischer Manier erweitern und ausbauen, um anschließend in einer überzeugenden Klimax zu münden. Dazu kommen sanfte Clean-Vocals, die „Silent Truth“ zu einem musikalischen Pendel machen, der unsere Sinne berauscht und uns von der Musikalität, die Herod bieten, fantasieren lässt.

Bereits jetzt fällt auf, dass Herod eine gute Balance gefunden haben ihre Songs abwechslungsreich zu gestalten und nicht in einer ewigen Abkupferung eines etablierten Schemas verenden. Der rote Faden hierbei ist allerdings der stets düstere, bedrückende Vibe der sich auch auf „Reckoning“, der ersten Single des Albums, weit ausbreitet. Insbesondere die wirklich sehr brachialen Growls erinnern mit den sehr harten Instrumentals an Conjurers Alum „Mire“, das letztes Jahr erschienen ist und für mich ein Paradebeispiel für drückenden Sludge, bzw. Post Metal darstellt.

Dass „Reckoning“ eine gute Single ist, liegt wohl an der benutzerfreundlichen Dauer von viereinhalb Minuten, sowie einer eingängigen Struktur, die sich insbesondere auf das Mainriff fokussiert. Dieses wird in seiner Wiederholung Mixtur-ähnlich, und somit im Stile des musikalischen Impressionismus verschoben und bewirkt damit eine ätherische und bezaubernde Wirkung. Aufgrund der häufigen Wiederholung gewinnt der Song an Eingängigkeit und ist wohl das perfekte Aushängeschild um einen Eindruck von der Musik auf „Sombre Dessein“ zu erlangen!

Dass Herod sich auch Zeit nehmen können, stellt „Don’t Speak At Last“ unter Beweis. Man nimmt sich die Zeit die Atmosphäre über drei Minuten aufzubauen und kreiert hier mit über zehn Minuten den längsten Song des Albums. Herod meistern es, ihr Momentum ausklingen zu lassen und nicht Part an Part zu knallen, sondern eine musikalische Entwicklung nachvollziehbar zu machen, sodass die Musik auf „Sombre Dessein“ durchweg sinnig und komplex durchdacht erscheint. Ein weiterer auffälliger Aspekt von „Don’t Speak At Last“ sind die hohen Shouts, die die Klanglandschaft von Herod erneut um eine weitere interessante Komponente erweitern und den Aspekt der Verzweiflung musikalisch aufblühen lassen.

Mit „There Will Be Gods” lassen Herod “Sombre Dessein” nahezu instrumental ausklingen, während sie sich auf eine ausbreitende Welle der Atmosphäre legen, sind es nur dezent platzierte Vocals, die den Song fulminant abrunden. Darüber hinaus entwickelt sich „There Will Be Gods“, basierend auf dem immer selben Riff, nur in Sachen Dramaturgie und lässt doch ein wenig Abwechslung vermissen. Das macht „Sombre Dessein“ allerdings nicht weniger rund, denn alles in allem ergibt sich eine großartige Hörerfahrung, die wirklich mitreißend ist.

„Das Konzept des Albums handelt vom Ende der judäisch-christlichen und thermo-industriellen Zivilisation. Das Artwork und das Musikvideo besteht aus Teilen von „Shipbreakers“, Menschen die große Containerschiffe entkernen, um an den Ufern von Indien oder Bangladesh zu sterben. Diese Visualisierung entwickelt sich in die Hölle auf Erden für die Menschen, die jeden Tag ein so hohes Risiko auf sich nehmen nur um ihre Familien zu ernähren“, wie Pierre Carroz, Gitarrist von Herod über das Konzept des Albums erzählt.

Herod ist es gelungen, diese Geschichte musikalisch umzusetzen, indem sie Elemente wie Verzweiflung, Angst, Bedrücken, aber auch Hoffnung in ihrer Musik klanglich umsetzen und ihr Album damit auf eine tiefere Ebene ziehen.

Es ist kaum fassbar, dass „Sombre Dessein“ erst das zweite Album der Band ist, ist es doch so durchdacht, detailverliebt und in sich stimmig, dass es die fünf Jahre, die seit dem Release von „They Were None“ verstrichen sind, als wertvolle Zeit zur Erschaffung wirken lassen. Hut ab. Es wundert also nicht, dass Herod in der Post-Metal-Masterclass mitspielen können und bei Pelagic Records unter Vertrag stehen. Denn wer auf diese Art der Musik steht, kann dem Label auch in diesem Fall mal wieder blind vertrauen. Ein Qualitätsmerkmal, das im heutigen Musikmarkt leider rar geworden ist.

Wertung: 8,5/10

Band: Herod
Album: Sombre Dessein
Veröffentlichung: 15.02.2019

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