Downfall of Gaia Ethic Of Radical Finitude

Kritik: Downfall of Gaia liefern mit „Ethic Of Radical Finitude“ ihr vielleicht bisher bestes Album ab

Manchen Bands gelingt es sich Album für Album weiterzuentwickeln und einen Sound zu kreieren, der zum einen klar identifizierbar ist, zum anderen aber nie stagniert. Downfall Of Gaia sind eine solche Band, wie sie mit ihrem neuen Album „Ethic Of Radical Finitude“ erneut unter Beweis stellen.

Lagen die frühen Werke der Berliner Band noch im Crustcore verwurzelt, entfernte man sich über die Zeit über Umwege durch den Post-Metal vom Hardcore-Unterton in den Songs. Bereits „Atrophy“ zeigte 2016, dass Downfall Of Gaia auch ohne Co-Writer Peter Wolff auskommen und sich bewusst für den Schritt in die Zukunft entschieden haben. So war „Atrophy“ ein viel raueres, düstereres Album, das weniger auf weitgefächerte Post-Metal-Atmosphären und mehr auf eine direktere Sprache in Post-Black Metal-affinen Zügen aufweiste.

An diesem Punkt knüpfen Downfall Of Gaia mit „Ethic Of Radical Finitude“ an. „Seduced By” öffnet das Tor zum Album und tastet sich langsam und ruhig heran, während sich die Gitarren Stück für Stück in Lautstärke und Wirkung entfalten, wie eine Knospe, die durch Sonnenstrahlen gekitzelt aus dem Ast sprießt und sich letztendlich zu einer großen Blüte entwickelt. Diese Blüte ist zugegeben ein düsterer, kalter und schmetternder Sound, der sich mit „The Grotesque Illusion Of Being“ sehr Schlagzeug-dominiert von der Illusion der sich aufbauenden Atmosphäre hin zur harten Realität löst. Es sind eben diese ruhigen, getragenen Elemente, die uns kurzzeitig in Post-Rock-Landschaften führen, wie etwa in „We Pursue The Serpent Of Time“ nach Hälfte des Songs zu hören ist. Doch wird ebenfalls schnell klar, dass „Ethic Of Radical Finitude“ keine Zeit für Spielchen hat und auch in puristischer Black Metal-Gewandung verdammt gut funktioniert.

Harte Blast Beats, schnelle Tremologitarren und plötzlich öffnet sich ein Loch in den Wolken, durch den mit Beckenspiel und Gitarrenmelodien ein Strahl der Sonne hindurch scheint um dann auf einem groß angelegten Berg zu gipfeln. So in etwa klingt der Beginn von „Ethic Of A Radical Finitude“, das sich schon jetzt als viel zielgerichteter erweist, als es bei „Atrophy“ der Fall war. Der direkte Übergang in den folgenden Song spricht ebenfalls dafür. Mit verdammt viel Power eröffnet das Schlagzeugspiel auf tiefen Toms das folgende „We Pursue The Serpent Of Time“, das sich auf den ersten Eindruck dann doch wieder näher an „Atrophy“ orientiert, als vermutet. Der zuvor angesprochene ruhigere Teil des Songs, ist, was ihn von den harten Elementen des Black Metal ablöst. So wie der gesprochene, cleane Gesang, der den Song zusätzlich mit groß angelegtem sonischen Raum unterstützt. Hinter den Melodien und den Vocals verstecken sich starke Emotionen und das Gefühl der Verzweiflung. Kleinere Details, wie etwa ein Glockenspiel im Cleanpart des Songs oder das sehr organisch klingende Piano-Outro erhöhen die emotionale Komponente und ergänzen die puristische Instrumentierung filigran und liebevoll mit großer Wirkung.

Wenn wir uns „Guided Through A Starless Night” genauer anschauen, finden wir hier den wohl am meisten von Post-Metal beeinflussten Track des neuen Albums. Dröhnende Gitarren hüllen eine Frauenstimme ein, sodass Downfall Of Gaia ein Momentum kreieren, in dem sich die Zeit verliert. Es ist die Wirkung der repetitive Gitarrenakkorde, die das Ende von „Guided Through A Starless Night“ in einen sich zeitlos anfühlenden Zustand verwandeln, der durch den gesprochenen Text an Wirkung gewinnt und nahtlos in „As Our Bones Break To The Dance“ überleitet. Während die zuvor angesprochenen Gitarren langsam aus faden, schmettern die Trommeln des folgenden Songs mit einer positiv anmutenden Gitarrenmelodie entgegen und erinnern so an ähnlich erhebend klingende Post-Black Metal-Songs, wie etwa „Golden Number“ von Ghost Bath. Insgesamt scheint mir der Querverweis auf Ghost Bath nicht so abwegig wie auf die ersten Momente von „Ethic Of Radical Finitude“. Der Sound von Downfall Of Gaia ist jedoch etwas definierter, erdiger, härter und direkter. Doch sind es auch die Vocals, die am schmalen Grat zwischen unfassbar großer Emotionalität und leichtem Fremdscham tangieren.

So manche Stelle wirkt unnatürlich gekrächzt oder geschrien und könnte für manche Hörer ein Grund sein, warum sie keinen Zugang zu „Ethic Of Radical Finitude“ gelangen. Doch agieren die beiden Sänger, Dominik und Anton in sehr guter Balance zueinander und haben eine angenehme Diversität in ihren Shouts, sodass die vokalistische Arbeit sehr ausgeglichen und abwechslungsreich erscheint. Ein Aspekt der Downfall Of Gaia aber auf jeden Fall von Ghost Bath unterscheidet, ist dass Downfall Of Gaia eben auch die wirklich harten Metal-Momente in ihre Musik einbauen und auf ein offensichtlich „edgy“ angehauchtes Image verzichten.

Zum Abschluss beginnt „Of Withering Violet Leaves“ erneut mit großer, sich in Post-Rock Ästhetik aufbauender Atmosphäre, die durch die Hauptmelodie der Gitarre getragen wird und in der Atmosphäre der sehr voll klingenden Gitarren daher schwebt. „Of Withering Violet Leaves“ kulminiert über die Dauer der ersten fünf Minuten und entwickelt sich von einem Post Rock-beeinflussten Stück hin zu vielen Blast Beats, die sehr variabel gespielt die nun variierte Gitarrenmelodie unterstreichen bis sie schließlich an einen pausierenden Moment gelangen. Doch nutzen Downfall Of Gaia diese Pause nur, um die Spannung aufrecht zu erhalten.

Die verbleibenden zwei Minuten von „Ethic Of Radical Finitude“ beginnen unfassbar schmetternd und melancholisch, bevor eine Überraschung auf uns wartet. Clean Vocals! Downfall Of Gaia inkorporieren eine warme, sonore Männerstimme, die einen gewissen paganen Vibe mit sich bringt und vor allem für Überraschung sorgt. Vielleicht ist es der Moment der Überraschung, aber diese Stimme fällt etwas aus dem Mix und drängt sich stark in den Vordergrund, bevor eine weitere vertraute Stimme (die der Sprecherin von „Guided Through A Starless Night“) erneut zu hören ist und das Album mit ausklingenden Gitarren beendet.

Fazit

Downfall Of Gaia haben es geschafft die Stolperer, die „Atrophy“ noch aufwies, glatt zu bügeln und veröffentlichte mit „Ethic Of Radical Finitude“ ein Album, das so kohärent und durchkomponiert ist, dass ein Hören einzelner Songs der damit verbundenen Seriosität und Entwicklung der Wirkung nicht gerecht wird. Die Berliner haben ein Album geschaffen, das gleichermaßen zu einem verregneten Herbsttag passt, wie zu einer sonnigen schneebedeckten Winterlandschaft, die vor Tristesse ihre eigene Geschichte erzählt. Wie ein Gedicht, das leicht über die Lippen geht und so zusammenhängend ist, dass man erst zufrieden ist, wenn man es im Ganzen sagt.

„Seduced By…“
„The Grotesque Illusion Of Being“
„We Pursue The Serpent Of Time”
“Guided Through A Starless Night”
“As Our Bones Break To The Dance”
“Of Withering Violet Leaves”

Die groteske Illusion des Seins verführt unsere Sinne, so wie auch „Ethic Of Radical Finitude“ unsere Sinne verführt: liebevoll, melancholisch, verdammt gut auf den Punkt gespielt und damit vielleicht das beste Album das die Band bisher veröffentlicht hat!

Wertung: 9/10

Band: Downfall of Gaia
Album: Ethic Of Radical Finitude
Veröffentlichung: 08.02.2019

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