Blood Youth Starve

Kritik: Blood Youth lassen ihre Fans auf „Starve“ nicht verhungern

Blood Youth bringen dieser Tage ihre neue Platte auf den Musikmarkt. Die Hardcore-Band aus dem hübschen Harrogate in England formierte sich 2014 aus ehemaligen Mitgliedern der Band Climates, von denen heute lediglich Gitarrist Chris Pritchard noch Teil von Blood Youth ist.

Die britische Band hat mittlerweile trotz mehrmaligem Besetzungswechsel in der Hardcore-Szene ihren Platz gefunden und Pritchard konnte sich zusammen mit Sänger Kaya Tarsus, Bassist Big Les und Drummer Sam Hallett im Laufe der Jahre einen Namen machen. Nach den beiden EPs „Inside My Head“ (2015) und „Closure“ (2016) gab es vor knapp zwei Jahren das erste Album „Beyond Repair“ auf die Ohren. Nun steht die zweite LP „Starve“ der Gruppe um Frontmann Tarsus in den Startlöchern und bringt 13 frische Tracks mit sich.

Drei Titel veröffentlichten die Briten bereits vorab: „Spineless“, „Keep You Alive“ und das titelgebende „Strave“. Letzteres ist nach einem Intro mit dem Namen „{51/50}“ der Eröffnungssong des Albums und kommt in gewohnter Manier daher: Mit Vollgas durch die Wand. Wer die Vorgängerwerke kennt, weiß, dass Blood Youth musikalisch nicht groß um den heißen Brei herumreden.

Die Musik ist gradlinig und folgt meist dem Schema Hau-Drauf in den Strophen und eingängig im Refrain, was auch auf „Starve“ zutrifft. Wüsste man es nicht besser, könnte man sogar meinen, dass die Screams und die cleanen Gesangparts von zwei unterschiedlichen Sängern bedient werden. So klar schafft es Kaya Tarsus, verschiedene Emotionen in den Songparts einzubringen.

Einem ähnlichen Muster folgen auch weitere Tracks auf dem Album, allen voran „Spineless“, „Nerve“ oder „Visitant“. Zu den Screams und Shouts von Tarsus gesellt sich meist eine sehr schnelle Spielweise von Gitarre und Schlagzeug, an derer man die musikalischen Wurzeln des Hardcore-Punk bemerkt. Zum Entschleunigen eignen sich dann die ruhigeren Passagen in den Liedern, bei denen es dann sowohl stimmlich als auch spielerisch langsamer zugeht.

Wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen. „Hate“ zum Beispiel, mit nur 100 Sekunden Spielzeit ein kurzer und knackiger Song, kommt gänzlich ohne klaren Gesang aus. In „Keep You Alive“, laut Tarsus übrigens der dunkelste und zugleich facettenreichste Song des Albums, gipfelt eine musikalisch ruhige, fast melancholisch anlautende erste Strophe mit sehr eingängigem Gitarrenriff in einen aggressiven Chorus, dessen Grundstimmung so fast bis zum Ende des Songs beibehalten wird. Das instrumentale Outro lässt den Track dann ausklingen, wie er angefangen hat.

Solche Outros sind im Übrigen in mehreren Songs auf „Starve“ zu finden. Auch „Waste Away“ oder „The Answer“ enden mit beinahe atmosphärischen Klängen, während die Songs zuvor voller Power vorwärts gehen. Als müssten selbst die Bandmitglieder am Ende ihrer Lieder nochmal durchatmen und die Songs sacken lassen, bevor sie im nächsten Track wieder durchstarten.

Gerade in solch spielerisch diversen Songs wird deutlich, dass die Mitglieder von Blood Youth zum einen ihre Instrumente beherrschen und nicht nur nebeneinander her, sondern miteinander spielen und sich zum anderen bei ihren Songs wirklich etwas denken. Es wirkt oft so, als wollten sie durch die abwechslungsreichen und kraftvollen Komposition eine Geschichte erzählen.

Das Album endet mit dem mehr als elf Minuten langen Track „Exhale“, in dem Tarsus und Co. nochmal alles vereinen, was sie in den vorigen Tracks bereits aufgegriffen haben. Trotz der Länge erkennt der Hörer den roten Faden. Was hier leider fehl am Platz ist, weil schlichtweg unnötig, ist die elektronisch verzerrte Stimme Tarsus.

Insgesamt bietet „Starve“ 13 völlig unterschiedliche aber dennoch gleichbleibend gute Songs. Unterschiedlich in ihrer Komposition, in ihrem Aufbau und ihrer Musik. Gleichbleibend in der Thematik, der Beständigkeit und der Professionalität. Die Tracks funktionieren sehr gut alleine, viel besser aber noch in der Gesamtheit.

Es bietet sich wirklich an, die Lieder des Albums einmal alle nacheinander zu hören, weil hier die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ganz besonders gut zur Geltung kommen. Die Songs auf „Starve“ bieten gradlinigen Hardcore, ohne Schnickschnack oder Experimente. Im Vergleich zu den Vorgängerwerken haben Blood Youth sich weiterentwickelt, ohne sich selbst und ihrer früheren Musik fremd zu werden. Hut ab, das schaffen heutzutage nicht alle Bands.

Wertung: 8/10

Band: Blood Youth
Album: Starve
Veröffentlichung: 22.02.2019

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