Kritik: Beartooth fehlt auf „Disease“ ausgerechnet der experimentelle Biss

Wie beschreibt man als Schreiberling eines Album seine Musik eigentlich am besten? Und wie hat man sich während des Songwritings gefühlt und wie verhält es sich überhaupt thematisch mit den Texten? Mancher Künstler mag auf die Ausführungen hierzu vielleicht nicht allzu viel Wert legen, Caleb Shomo, Gründer und „Macher“ von Beartooth, war es aber schon immer wichtig, die Gedankenwelt zu seiner Musik genauer zu erläutern. So beschreibt er die am morgigen Freitag erscheinende Platte „Disease“ wie folgt:

„The album is a whirlwind of emotion. Crazy highs, crazy lows, and lots of intensity. This record isn’t about winning anything. It’s about trying to even begin to learn how to deal with things. It’s hard to process just how dark you can get, what you can really put yourself through with expectations. It’s like starting from the beginning all over again. At the end of the day, it is a very dark album.”

Ob der Fronter der Band aus Ohio mit diesen Worten recht hat, lest ihr in den kommenden Zeilen. Los geht’s!

Beartooth

Meine Damen und Herren: Halten Sie sich fest, denn mit „Greatness Or Death“ startet „Disease“ mit einem wahren Feuerwerk! Keine 20 Sekunden dauert es, bis der Song und vor allem Caleb Shomo völlig ausbricht. Genau so brauchen wir das! Hier werden direkt alle Stärken der Band auf den Tresen geknallt. Ordentlich Aggressivität und Tempowechsel bestimmen den Song, lassen aber trotz alledem genügend Raum für eine ordentliche Hook. Ein wahrlich gelungener Auftakt! Das folgende „Disease“ kennt ihr alle bereits, demnach will ich hierzu nicht allzu viele Worte verlieren. Gefallen tut mir hier aber vor allem die im Mix gut herausgearbeitete Bass-Line in den Strophen und der wahrlich eingängige Refrain, bei dem auf den Live-Shows mit Sicherheit die Köpfe mitwippen und die Hände in der Luft sind.

Das anschließende „Fire“ kann mich schließlich vor allem deswegen überzeugen, weil es mit ordentlich Tempo und Punk-Attitude in den Strophen daherkommt. Gepaart mit Calebs Shouts ist das dann einfach ein gut gelungene Punk-Core-Kombination. Dazu ein Refrain, der gut ins Ohr geht und ein Moshpart, der zwar einfach gehalten ist, aber durch den präsenten Gitarrensound den nötigen Druck erzeugt. Das folgende „You Never Know“ kennt ihr ebenfalls und ist für mich einer der Favoriten auf der Platte. Rock n‘ Roll-Feeling in den Strophen, ein schon fast balladenhaftiger Refrain und trotz alledem zwischendurch genügend Härte, um auch bei den Mosh-Freunden zu punkten.

Wem die Platte nun zu sanft geworden ist, darf sich bei „Bad Listener“ dann so richtig austoben. Außer einem ruhigeren Zwischenpart, wo der Drum-Sound richtig fein herausgearbeitet ist, gibt es hier quasi dauerhaft einen auf die Mütze. Für mich kein herausragender Song, da mir etwas die Abwechslung fehlt, aber ein „Hau drauf-Track“ ohne großartiges Nachdenken soll ja auch nicht schaden! „Afterall“ ist dann wieder genau der Song, den man unter die Beartooth-Ohrwürmer packen kann. Gewohnte Struktur und ein Songwriting, welches wir alle von vergangenen Alben kennen, die jedoch für sich einfach funktionieren. „Manipulation“ bietet anschließend keine großartigen Ausflüchte aus der gerade angesprochen Beartooth-Riege und ist zumindest bei mir nur so durchgelaufen. Aber ihr kennt den Song ja auch bereits und habt euch sicher auch schon eure Meinung gebildet.

Beartooth liefern ab, lassen aber „Experimente“ missen

Ähnlich wie „Bad Listener“ präsentiert sich auch das anschließende „Enemy“.  Wem der Vorgänger „Aggressive“ an sich etwas zu soft war, der wird sich zumindest bei diesen beiden Songs wieder zufrieden die Nackenmuskulatur trainieren. Und: Endlich mal ein Breakdown, der die Komfortzone der Band etwas verlässt und heraussticht. „Believe“ schafft die erwünschte Abwechslung schließlich auch noch, da hier ein guter Mix aus Rock und Punk geboten wird und ein feines Gitarrensolo den Song auffrischt. Es folgen „Infection“ und „Used And Abused“, welche die gerade angesprochene Problematik unterstützen. Per se sind die Tracks nicht schlecht, aber so langsam warte ich auf mehr musikalische Abwechslung. Klar, Beartooth wissen genau, wie ihre Musik funktioniert und schreiben auch mit diesen beiden Songs keine schlechten. Jegliche Überraschungen und Experimente bleiben aber aus! Wer am Ende noch eine Ballade braucht, bekommt sie schließlich mit „Clever“. Gut gemacht, vor allem weil Calebs Stimme schön herausgearbeitet und gerade in den Strophen stark in den Vordergrund gerückt ist. Gefällt mir, da hier einfach mal die Konzentration auf einer Sache, eben dem Gesang, liegen darf.

Fazit:

Ich mach es kurz: Beartooth hauen mit „Disease“ eine wirklich gute Platte auf den Markt,  lassen aber erhoffte Versuche, für sich etwas neues zu kreieren, missen. Ich hätte mir dann doch etwas mehr Experimentierfreudigkeit gewünscht, auch wenn viele von euch mit eben dieser Art von Musik zufrieden sein werden, und am Ende bin ich es dann auch. Aber eben nur zufrieden und nicht begeistert! Um Calebs Worte aufzugreifen: Am Ende ist es für mich musikalisch kein „very dark album“, auch wenn die Lyrics seine emotionale Bandbreite in vollem Umfang widerspiegeln. Die angesprochenen Höhen und Tiefen sind vorhanden, die Intensität, die Shomo anspricht, geht mir aber gerade aufgrund der immer wiederkehrenden Stilmittel verloren.

Wertung: 7/10

Band: Beartooth
Album: Disease
Veröffentlichung: 28.09.2018

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