At The Gates To Drink From The Night Itself

Kritik: At The Gates – „To Drink From The Night Itself“

Als At The Gates im Jahr 2014 ihr Comeback-Album veröffentlichten, hätte die Erwartungshaltung vieler Fans kaum größer sein können. „Slaughter of the Soul“ lag damals schon ganze 19 Jahre zurück und markierte zum Zeitpunkt seines Erscheinens nicht nur in der Bandgeschichte, sondern für das gesamte Metal-Genre einen Meilenstein. Dementsprechend groß war der Hype rund um „At War with Reality“, das At The Gates vor vier Jahren zurück auf die Landkarte setzte. Zeitgleich fielen die Rezensionen von Kritikern und Anhängern aber auch sehr gemischt aus. Schließlich war es ein verdammt gutes Album, aber eben kein zweites „Slaughter of the Soul“. Warum sollte es auch?



At The Gates haben also absolut nichts wieder gut zu machen. Dennoch möchte man meinen, dass sie mit „To Drink From The Night Itself“, das morgen erscheint, ihren Sitz im Metal-Olymp noch etwas weiter festigen möchten. In Zusammenarbeit mit Produzent Russ Russell, der auch schon bei den Schwippschwagern von The Haunted und für Napalm Death an der Reglern saß, sowie mit dem neuen Gitarristen Jonas Stålhammar an Bord, knallen At The Gates ihren Fans mit dem sechsten Studioalbum 45 brachiale Minuten Melodic Death Metal um die Ohren, in denen sie alle Hörer auf eine Reise durch zweieinhalb Jahrzehnte Bandgeschichte mitnehmen und einen nur zögerlichen Blick nach vorn wagen.

At The Gates bedienen Fans der ersten Stunde

So oder so ähnlich kann man sich den Sound von „To Drink From The Night Itself“ vorstellen, der einerseits eine leicht progressivere Richtung einschlägt und sehr sauber produziert wurde, es bei den ersten Durchläufen aber auch erschwert, signifikante Unterschiede zwischen allen Songs herauszuhören. Im Gegenteil, viele Abschnitte des Albums erinnern sogar stark an alte Kracher der Gruppe, als möchte sich die Band auf ihre Anfangszeit zurückbesinnen. Zugegeben, nach dem orchestralen Opener namens „Der Widerstand“ folgt zunächst der namensgebende Song „To Drink From The Night Itself“, der dank zugänglicher Songstruktur, frenetischen Drums und einprägsamem Refrain auch beim dritten Durchlauf unweigerlich an die etwas jüngeren Kollegen von Heaven Shall Burn erinnert. Spätestens beim dritten Lied, „A Stare Bound In Stone“, wird aber wieder deutlich, dass man es hier mit Göteborg Metal zu tun hat, inklusive all seiner atmosphärischen Facetten, melodischen Härte und zahlreichen Mid-Tempo-Abschnitten.

Insbesondere mit „The Colours Of The Beast“ sowie „A Labyrinth Of Tombs“, die die Zuhörer in der Mitte der LP erwarten, begeben sich At The Gates gekonnt in eine Komfortzone, bei der Fans, die auf den klassischen Sound von At The Gates stehen, voll auf ihre Kosten kommen. Highlights, die dem Album am ehesten ein paar zusätzliche Facetten verleihen können, sind hingegen „The Chasm“ sowie „In Death They Shall Burn“. Dort kommen einige Thrash Metal-Einflüsse zum Vorschein, die Erinnerungen an die bereits erwähnte Verwandtschaft zu The Haunted wecken, welche im Anschluss an den Release des legendären „Slaughter of the Soul“ im Jahr 1996 als quasi-Nachfolgeband durch ehemalige Mitglieder von At The Gates gegründet wurden.



All das macht es schwer, ein finales Urteil über „To Drink From The Night Itself“ zu fällen. Zuhörer, die sich in frühere Sphären von At The Gates zurückbegeben möchten und „At War with Reality“ enttäuschend fanden, werden mit dem neuen Werk wahrscheinlich ihre helle Freude haben. Jeder, der sich aber von At The Gates‘ neuer Scheibe einen frischen Sound wie auf der letzten Platte erhofft, muss auf die nächste LP warten oder sich bei anderen Bands umschauen. Somit reiht sich „To Drink From The Night Itself“ in die hervorragende Diskographie von At The Gates ein, ohne dabei besonders hervorzustechen. Im Falle einer Band wie At The Gates ist das jedoch Jammern auf hohem Niveau.

Wertung: 8/10

Band: At The Gates
Album: To Drink From The Night Itself
Veröffentlichung: 18.05.2018

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