Aborted TerrorVision

Kritik: Aborted machen auf „TerrorVision“ erneut keine Gefangenen

Stellt euch folgendes vor: Es ist 2008, ihr habt schon richtig Bock aufs Wacken (es waren unter anderem Gorgoroth, As I Lay Dying, Killswitch Engage und Soilwork mit von der Partie) und wundert euch darüber, dass eine (damals noch kleine) Band wie Heaven Shall Burn nicht anwesend war. Also holt ihr spontan eine Karte für ein Konzert in der Kölner Werkstatt und hört euch die Supports an. Wer da natürlich dabei war? Genau, Aborted!


Belgische Brachialität á la Aborted

Vorbands anhören mit Spotify? Gab es noch nicht, also mussten Last.fm und Freunde für Hör-Samples herhalten. Auf dem Konzert angekommen gabs dann sogar eine kleine Wall of Death und ich kam schweißgebadet nach Hause. Hängengeblieben war dieser unfassbar brutale, schnelle Stil der Belgier, der mich seitdem in den Bann gezogen hat.

“Ja ja, Julian, was ist denn jetzt mit dem Album? Erzähl schon!”

Liebe Fans von Death-Metal, Deathcore und Grindcore, seid jetzt ganz stark: Aborted hat jetzt Clea… nein. Ganz und gar nicht. Keine Clean Vocals. Bitte wieder beruhigen!

Von den 11 Songs, die wir auf dem Album haben, sind drei bereits vorab veröffentlicht worden; direkt nach dem langen Intro “Lasciate Ogne Speranza”, was so viel heißt wie “Lasst alle Hoffnungen fahren”, ballert uns direkt “TerrorVision” um die Ohren.

Direkt hier zeigt das Album, dass es wieder in typische Aborted-Grind-Tiefgänge geht; Brutalität, Schnelligkeit und auch vor allem ein sehr fetter, ausgeglichener Sound. Neben ganzen Blastbeats (herrlich, ich kann einfach nicht genug davon haben!) gefällt mir vor allem die Bridge gegen Ende, die mich absolut an die Metal-Giganten von Septicflesh erinnert; absoluter Gänsehaut-Moment!



Auch der darauffolgende Song “Farewell to the Flesh”, geht in die Richtung, bekommt aber auch im mittleren Teil durch groovige Gitarrensoli sowie Bass-Drum Pattern ein richtiges Aversions Crown-Feeling, was mich zugegebenermaßen mehr angemacht hat, als ich es zuerst dachte. Die Mischung macht es einfach!

Ich präsentiere einen weiteren Knaller: “Vespertine Decay”. Diese Riffs. Diese Stimme, diese Brutalität. Muss ich da noch mehr zu sagen?

Kommen wir mal zu meinem klassischen Review-Part: Was ist mir hängen geblieben, was hat mich beeindruckt? Es wäre einfacher zu sagen, was mich nicht beeindruckt hat. Das ist nämlich relativ einfach zusammenzufassen: Die Crux des Grindcores! Grindcore hat immer wieder für mich das Problem, dass er nach einiger Zeit fast zu viel auf den Ohren wird. Ich habe das Album sehr oft durchgehört, um eine vernünftige Kritik schreiben zu können; auffallend ist eben die Wirkung der Musikrichtung: Entspannend ist es nicht. Die Band hat sich vorgenommen, dem Hörer die volle Wucht zu präsentieren und zur Auflockerung in Songs wie “Deep Red” auch mal vergleichsweise “thrashigere” Elemente (auf 250 bpm wohlgemerkt) in den Gehörgang zu blasen. Wirklich gut gefallen hat mir auch der Song “A Whore D’oeuvre Macabre”, der fast einen Breakdown hat, in dem ich jedesmal nur noch den Kopf in den Nacken schmeißen muss. Ultrafett!

Durch das ganze Album zeigen Aborted immer mehr und immer weiter, dass sie aus der Königsklasse des Death Metals und Grindcores nicht mehr wegzudenken sind. Ich kann nur auf eine tolle Tour mit Benighted und Cryptopsy hoffen, die in den Songs auch immer mal wieder Features haben. Gott, das wird geil!

Wertung: 9/10

Band: Aborted
Album: TerrorVision
Veröffentlichung: 21.09.2018

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